Wir sind "einfach da, wenn man uns braucht!"

Montag, 25.04.2022: “Aber dann kommt man in die Weite”

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…. den letzten Weg gemeinsam gehen.
Unter diesem Motto laden die Hospizdienste Limburg e.V. wieder zu ihrer Vortragsreihe ein. Die Vorträge finden immer am letzten Montag im Monat statt. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr und sie enden gehen 21.00 Uhr. 
Die Vorträge sind kostenlos.


Montag, 25.04.2022: “Aber dann kommt man in die Weite” – Schmerz, Verzweiflung, Widerstand und Ergebung – Erfahrungen auf einer Palliativstation
Referent: Prof. Dr. Michael Albus, Theologe, Journalist, Mainz/Freiburg
Veranstaltungsort: Pfarrheim St. Hildegard, Tilemannstr. 5/7, 65549 Limburg

Sie sind herzlich eingeladen!

*CORONAHINWEIS BITTE BEACHTEN*
Es wird sich nach den geltenden Hygieneauflagen des Landes Hessen/Landkreis
Limburg-Weilburg gerichtet. Dazu geh ren momentan die Maskenpflicht bis zum
Sitzplatz (med. Maske/FFP2-Maske); Handdesinfektion im Eingangsbereich; Einhaltung
der Abstandsregeln und das Erfassen der Daten.
Sollte die Inzidenz steigen, greifen für unsere Veranstaltungen die jeweils versch rften
Regeln (3G- oder 3G-Regeln). Das bedeutet, dass die Vorlage eines Impfnachweises oder
Genesenennachweises oder eines gültigen Negativtests verpflichtend ist.




Ich bin Mama – und habe Brustkrebs

Claudia Horst führte ein Interview mit ihrer Klientin Sandra H.

Die Diagnose Brustkrebs wirft jede Frau aus der Bahn. Besonders schwer ist es, wenn es Mütter von kleinen Kindern trifft.
Wenn Sandra H. an den Zeitpunkt ihrer Diagnose zurückdenkt, dann war da nicht nur die Angst, den Krebs nicht zu überleben oder die Therapien nicht durchzustehen, sondern auch die Angst um ihren damals sechsjährigen Sohn.
Wird sie sich ausreichend um ihn kümmern können? Wird sie ihn aufwachsen sehen, ihn womöglich zurücklassen müssen? Wer kümmert sich dann um ihn? Das Gedankenkarussell ließ sie nachts nicht schlafen. Sandra fasste einen Entschluss: Ich werde wieder gesund! Das verspreche ich dir, mein Kind!

Im März 2021, im Alter von 44 Jahren, erhielt Sandra H. die Diagnose Brustkrebs. Im Gespräch mit mir erzählt sie die Geschichte über ihre Doppelrolle als Krebspatientin und Mutter und was ihr während der Therapie half.
Ihren Sohn Mairo unterstütze und begleite ich therapeutisch im Auftrag der Dehrner Krebsnothilfe e.V.
Im Verlauf des Interviews sind wir in der Anrede vom förmlichen ‘Sie’ zum persönlichen ‘Du’ übergegangen.

Sandra H.
Mama und Brustkrebs – Foto: privat

Sandra, wann und wie hast du den Tumor entdeckt?

Es war im März 2021. Beim eigenständigen Abtasten meiner Brust entdeckte ich auf der rechten Seite einen frei beweglichen, tiefsitzenden und vor allem schmerzhaften Knoten, eher untypisch für einen bösartigen Tumor. Dennoch war ich beunruhigt. Da ich ohnehin wenige Tage später einen routinemäßigen Vorsorgetermin bei meiner Frauenärztin hatte, konnte ich sie unmittelbar darauf ansprechen. Zunächst schien die Verhärtung nicht auf einen Tumor hinzuweisen. Sicherheitshalber schlug sie eine pathologische Befunderhebung vor … Und das daraus resultierende Ergebnis bestätigte den Verdacht.


Kannst du dich noch an den Moment der Diagnose erinnern?

Ja, sehr gut sogar! Auf dem Ultraschallbild im Brustzentrum Limburg war nichts zu sehen, auch die Mammografie brachte kein eindeutiges Ergebnis. Erst die Biopsie bestätigte dann am 29.03.2021 die Diagnose Brustkrebs! Ich erinnere mich noch genau an diesen Moment! Die Nachricht zog mir den Boden unter den Füßen weg. Ich saß da ganz allein und war wie erstarrt, mein Mann durfte mich ja wegen den strengen Corona-Regelungen nicht begleiten. Das war so schlimm für mich. Später rief ich ihn dann am Arbeitsplatz an. Er war zuerst auch sehr geschockt und weinte mit mir, aber dann war er fest davon überzeugt, dass wir das Bevorstehende gemeinsam schaffen zu werden.

Was ging dir damals durch den Kopf, als du die Diagnose bekamst?

Mir schossen sofort quälende Gedanken durch den Kopf, vor allem die Fragen: Was passiert mit meinem Mann und was mit meinem Kind? Werde ich meinen Jungen aufwachsen sehen? Was und wie sage ich es meinem sechsjährigen Sohn? …. Die Diagnose hat mir schwer zu schaffen gemacht – und immerzu war da doch noch die leise Hoffnung: Vielleicht haben sie sich ja vertan … Ich wusste, dass rechtzeitig erkannte, nach wissenschaftlich medizinischen Richtlinien behandelte Brustkrebs-Erkrankungen in den meisten Fällen gut heilbar sind.
Dieses Wissen hat mir geholfen, optimistisch zu bleiben. Ich habe gemeinsam mit meinem Mann beschlossen, gestärkt aus dem Ganzen herausgehen zu wollen und mir immer wieder bewusst gemacht, dass ich an dieser Krankheit nicht sterben werde.

Wie ging es dann weiter?

Die behandelnde Frauenärztin im Brustzentrum Limburg klärte mich zwei Tage später über das weitere Prozedere einer brusterhaltenden Therapie (BET) auf (Anmerkung: die sog. BET ist eine operative Therapieoption beim Mammakarzinom, die gekennzeichnet ist durch eine komplette lokale Tumorentfernung im Gesunden unter Erhaltung der Brust, eine axilläre Lymphknotendissektion sowie eine Nachbestrahlung): Portimplantation, Chemotherapie und deren Nebenwirkungen, die eigentliche Brust-OP, Bestrahlungen… Das volle Programm…

Danach ging alles ganz schnell: sämtliche Voruntersuchungen und Vorgespräche beim Anästhesisten und Operateur, alles erfolgte noch am selben Tag.
Ich fühlte mich hin und her geschickt, komplett überfordert – und trotz der Fürsorge durch die ‘Brustschwester’ und die anderen Pflegerinnen – irgendwie total allein gelassen. Es blieb kaum Zeit für meine vielen Fragen. So sehr hätte ich mir jetzt meinen Mann an meine Seite gewünscht! Völlig erschöpft und unter Tränen fuhr ich an diesem Tag nach Hause.

Am 18.04. 2021 wurde dann das Knochen-szintigramm gemacht, drei Tage danach der Port implantiert. Und da begann das Übel … Der Portkatheder hatte sich wenig später infiziert und musste am 06.05. ohne Betäubung und unter höllischen Schmerzen gespült werden.
Unter Antibiotikagabe lag ich anschließend fünf Tage auf der Isolierstation, bevor ich dann wieder auf die Normalstation verlegt wurde. Noch nie war ich so lange von meiner Familie und meinem Kind getrennt! Das alles hatte massive Auswirkungen auf meine Psyche und ich musste ständig heulen.

Meine Not war schließlich so groß, dass ich um seelischen Beistand bat, der mir auch gewährt wurde.
Doch nichts half mir so sehr wie die Erlaubnis, mich nach diesen fünf schlimmen Tagen kurz mit meinem Mann und meinem Kind auf dem Parkdeck des Limburger Krankenhauses treffen zu dürfen. Das allein gab mir die Kraft, weiterzumachen und durchzuhalten.
Eine niedergelassene Psychotherapeutin, die ich aus anderen Beweggründen bereits aufsuchte, stärkte und stärkt mir auch heute noch den Rücken. Die beste Stütze ist jedoch mein Mann und die Liebe zu meinem Kind. Mein Mann trägt alles mit und meint: Die beste Therapie sei die, wenn ich wieder lache!

Wie bist du mit der Diagnose umgegangen und wie hat dein soziales Umfeld darauf reagiert?

Außer mit meinem Mann konnte ich in den ersten beiden Wochen mit niemandem darüber reden. Und dann war da ja auch noch mein Kind, dem ich es auf jeden Fall vor allen anderen sagen musste.

Später ging ich dann sogar sehr offen mit der Diagnose um. Es hat mir gutgetan, darüber zu reden, und hat mir das Leben leichter gemacht. Meine Freundinnen und guten Bekannten signalisierten mir stets, dass sie für mich da sind, wenn ich Hilfe brauche – und das bis zum heutigen Tag! Menschen, denen ich wichtig bin, beschenkten mich mit liebevollen Aufmerksamkeiten und wendeten sich mir emotional zu.

Anfangs fiel es mir schwer, so viel Wertschätzung anzunehmen. Wie könnte ich das jemals wieder ‘zurückgeben’?, fragte ich mich. Später konnte ich es gut zulassen, spürte, dass sich die Menschen selbst darüber freuten. All diese Geschenke, tollen Worte und Liebenswürdigkeiten haben mir geholfen und mich sehr gestärkt.

Wie hast du deinem Kind die Krankheit beigebracht?

Im Krankenhaus drückte mir die ‘Brustschwester’ das reich bebilderte Kinderbuch “Warum trägt Mama im Sommer eine Mütze?” in die Hand. Nachdem ich die Geschichte zuerst für mich alleine gelesen hatte und auch sehr zutreffend fand, bereitete ich Mairo auf den Inhalt der Geschichte vor. Ich sagte ihm, dass die Mama eine Krankheit habe, die man Krebs nennt und es hier ein Buch zu diesem Thema gebe, das sie ihm jetzt vorlesen möchte.

Als das Buch fertiggelesen war, erklärte ich ihm, dass die Mama auch ihre Haare verlieren und oft müde sein wird, und dies und jenes … Er stellte daraufhin Fragen, die ich versuchte, kindgemäß zu beantworten. Ich nahm das Wort “Krebs” bewusst in den Mund. Wir gaben dem Tumor sogar einen Namen: “Kidney” – weil seine Form einer Bohne glich. Das fand Mairo lustig.

Mit der Beantwortung auf seine Fragen: “Mama, stirbst du jetzt?” und “Gehst du jetzt dahin, wo die Oma ist?”, tat ich mich dann doch sehr schwer. Dazu eine kurze Erklärung: Vor drei Jahren war meine Mama ebenfalls an Krebs erkrankt gewesen und unter der Chemobehandlung fielen ihr die Haare aus. Sie starb damals an der Erkrankung. Das haftet Mairo noch im Gedächtnis. Seitdem verbindet er eine Glatze automatisch mit dem Tod und spricht vom ‘Glatzenmann’.

Und nun hatte er Angst um mich. Ich versuchte es ihm so zu erklären, dass die Mama zwar irgendwann mal sterben müsse – so wie alle Menschen auf der Welt – aber nicht an diesem Krebs! Ich wollte ihn davor bewahren, sich ständig um mich zu ängstigen. Mithilfe der Geschichte konnte ich ihn schließlich davon überzeugen, dass die Haare nach einer bestimmten Zeit wieder wachsen. Es war trotzdem immer wieder Thema bei ihm, auch bei dir hier in der Praxis, wie du weißt. Mairo wollte haben, dass ich wieder meine alten Haare habe – lang und mit Locken, und das so schnell wie möglich … Das Buch hatte ich dann auch im Kindergarten abgegeben mit dem Hinweis, es den anderen Kindern zu zeigen, damit sie Bescheid wissen, wenn sie mich beim Abholen irgendwann mit Glatze sehen. Manche Kinder haben mich dann später auch darauf angesprochen. Da war es gut, dass sie mit meiner Erklärung etwas anfangen konnten.

Hat dich dein Sohn in irgendeiner Weise auch bei deiner Krankheit unterstützt?

Ja, das hat er. Allein, dass er und natürlich auch mein Mann da waren, hat mir schon Kraft und Mut gegeben, um zu kämpfen und die Krankheit und die Therapie und alles Weitere zu überstehen. Immer wieder sagte ich zu mir selbst: Du musst stark sein, du kämpfst, du packst das usw.

Auch aktiv hat mich mein Kleiner unterstützt – das lässt mir heute noch Tränen in die Augen schießen. Wenn es mir manchmal so schlecht ging, ich im Bett lag und mein Kind, das zum damaligen Zeitpunkt gerade mal sechseinhalb Jahre alt war, rufen musste, weil ich Durst hatte oder sonst etwas fehlte: Mairo, bitte hol mir mal eine Flasche Wasser, bitte hol mir mal ein Taschentuch, hol mir mal das, das, das …

Und dann hatte mir mein kleiner Sohn schon in diesem Alter helfen müssen, was mir heute noch, wenn ich darüber nachdenke, sehr, sehr weh tut. Aber auch seelisch hat er mich unterstützt, indem er mich liebgehalten hat.

Anfangs, mit Glatze, war es schlimm für ihn. Da wollte er erst nicht. Es dauerte aber nur ein paar Tage, bis er sich daran gewöhnt hatte und schließlich auch meine Glatze küsste. Ja, ich habe in jeder Hinsicht viel Unterstützung von ihm bekommen.

Man kann also sagen, dass dir dein Sohn in mehrfacher Hinsicht Kraft gegeben hat?

Ja, mein Sohn hat mir sogar die meiste Kraft von allen gegeben, weil ich mir immer wieder sagte: Ich will nicht, dass mein Sohn ohne eine Mama aufwächst. Und da er ja schon mitbekommen hatte, wie die Oma an Krebs gestorben ist, und auch zuvor eine Glatze hatte, war für mich klar: Nein! Mich kriegt der Krebs nicht! Ich kämpfe, ich halte durch und muss stark sein für mein Kind, aber auch für meinen Mann. Und deswegen gab mir Mairo, allein schon, wenn er ins Zimmer kam, mich anlächelte und dann wieder ging, die nötige Kraft, um das alles zu überstehen.

Sandra, du hattest dich ja auf meine letzte Frage hin schon dazu geäußert, dass dir dein Sohn in mehrfacher Hinsicht Kraft gegeben hat …
Gab es da auch besonders berührende Momente?

Ja, die gab es. Mit der berührendste Moment war natürlich der, als Mairo mich gleich zu Beginn der Erkrankung fragte, ob ich jetzt sterben müsse, so wie die Oma Hannelore. Das war für mich ein sehr berührender, tränenreicher Moment. Ich musste auch in anderen Situationen ab und zu vor meinem Kind weinen, weil es anders einfach gar nicht möglich war, meiner inneren Bewegtheit Ausdruck zu
geben. Bestärkt hat mich jedesmal das Lachen meines Kindes und sein sonniges Wesen: wenn er mich liebgehalten hat, mich angelächelt hat, das alles hat mir sehr viel Kraft gegeben.

Kommen wir noch einmal auf die Diagnose zurück: Wie wurde der Brustkrebs bei dir therapiert?

Ende April 2021 begann die Behandlung mit einer präoperativen Chemotherapie mit sechs Zyklen, gefolgt von einer Antikörpertherapie mit insgesamt 18 Gaben. Dazwischen lag dann die für Ende September geplante Brustkrebs-Operation. Postoperativ ging es danach mit der Strahlentherapie weiter. Nach Abschluss der Antikörpertherapie im Sommer 2022 schließt sich dann noch für fünf bis zehn Jahre eine Endokrine Therapie in Tablettenform an.

Wie hat die Chemotherapie bei dir angeschlagen?

Die Chemo hat sehr gut bei mir angeschlagen, so dass der Tumor bis zur Operation komplett verschwunden war. Unter dem operativen Eingriff selbst hatte man dann festgestellt, dass da noch ein zweiter, bisher unbemerkter Tumor gewesen war, der sich aber auch unter der zytostatischen Behandlung vollständig zurückgebildet hatte. Die Chemo führte also zu einem super megatollen Erfolg bei mir, worüber ich sehr sehr froh und erleichtert bin!

Es war eigentlich wie in einem Horrorfilm,
in dem ich die Hauptdarstellerin war.

Sandra H.

Hattest du auch mit Nebenwirkungen zu kämpfen?

Ja, sehr sogar! Die Nebenwirkungen waren der Hammer! Ich kann mich erinnern, dass ich am Folgetag der ersten Chemo noch 5000 Schritte laufen konnte und ich ganz stolz auf mich war. Am zweiten Tag hatte ich dann schon das Gefühl, dass in meinem Kopf ein Vakuum entstanden ist. Es war der Horror: Mein Gehirn funktionierte nicht mehr richtig, ich konnte nicht mehr richtig gehen, war wie besoffen. Es war ein ganz schrecklich schlimmes Gefühl.

Ich habe mich in meinem eigenen Körper nicht mehr wohlgefühlt. Und danach fingen dann die Nebenwirkungen so richtig an: Nasenbluten, alle Schleimhäute wund und blutig, auch im Intimbereich. Im Mund bildete sich eine Art ‘Elefantenhaut’, dunkel und lila verfärbt, fest und hart. Augen und Ohren taten weh. Alle Sekrete fühlten sich gelartig und schleimig an.

Nach zwei Wochen verlor ich dann die Haare, was für mich aber kein Problem war. Ich hatte mich darauf vorbereitet, selbst schon großzügig vorgeschnitten. Ich entschied mich dann so schnell wie möglich, alle Haare abzurasieren. Allmählich verschwanden alle Muskeln. Man hat Schmerzen, liegt im Bett, sieht schlimm und aufgedunsen aus – das Aussehen ist dabei aber zweitrangig. Man kann einfach nicht mehr Mensch sein, fühlt sich wie ein Monster, kann nicht mehr Herr über seinen eigenen Körper sein…

Die Polyneuropathie machte und macht mir auch heute noch zu schaffen. Ich hatte Wortfindungsstörungen. An einem Tag, konnte ich sogar überhaupt nicht mehr sprechen. Die Worte kamen einfach nicht heraus. Du willst etwas sagen, deine Gedanken aussprechen, aber du vergisst, was du sagen willst, weil du dich nicht konzentrieren kannst – Gott sei Dank gibt es in der Reha dann so Übungen, mit denen man das Gehirn wieder trainieren kann.

Ich hatte Ausschläge am ganzen Körper, gelbe und brüchige Fingernägel, eingewachsene Fußnägel – also die Nebenwirkungen schienen bei mir kein Ende zu nehmen -, nur übergeben musste ich mich nicht. Es war eigentlich wie in einem Horrorfilm, in dem ich die Hauptdarstellerin war. So kann man sich das vorstellen. Was ich da mitmachte, war alles andere als ein lockeres Durchmarschieren.

Als schlimm empfand ich auch, dass ich zwar hundemüde und körperlich total fertig war, aber trotzdem nicht einschlafen konnte. Ich denke, die Psyche wird dabei eine entscheidende Rolle gespielt haben.

Dein Sohn ist ja noch auf Betreuung angewiesen. Wie hast du diese Doppelbelastung geschafft?

Ich muss sagen, es gab Momente, da habe ich nur funktioniert, z.B. als mein Sohn eingeschult wurde. Das war nach der letzten Chemo. Mein Mann war zu diesem Zeitpunkt selbst im Krankenhaus. Da gab es dann auch Komplikationen, so dass er schließlich zehn Tage dort bleiben musste. Zusammen mit meiner Schwiegermutter bekam ich den Tag der Einschulung dann irgendwie ‘gewuppt’. Daran kann ich mich noch erinnern. Aber an die Tage danach, so ohne Mann und ohne Unterstützung, fehlt mir praktisch jede Erinnerung.

Da kamen dann so Sachen auf mich zu, wo ich einfach nur funktionieren musste: den Kleinen in die Schule fahren, ihn abholen, mit ihm Hausaufgaben machen – zumindest an den Tagen, an denen er nicht in der Betreuung war, lesen üben, ihn beschäftigen usw.

Ich musste es versuchen. Für mich war es manchmal schlimm zu sagen: die Mama kann nicht, mir geht’s nicht gut. Ich versprach meinem Sohn aber immer, dass wir alles nachholen werden, was wir jetzt ja auch tun.

Traurigkeit und Verzweiflung bei Sandra H. – Foto: privat


Welchen zusätzlichen Herausforderungen musstest du dich noch in deiner Doppelrolle stellen?

Die größte Herausforderung in meiner Doppelrolle bestand für mich darin, mit einem unter der Chemotherapie total veränderten Körper und unter all den Nebenwirkungen trotzdem für das Kind da zu sein. Ja, man musste einfach da sein. Das war für mich eine enorme Herausforderung. Wenn ich meinem Kind sagen musste: “Mairo, bitte lass die Mama mal ruhen”, obwohl er eigentlich etwas mit mir spielen wollte, oder seine Wünsche abschlagen musste mit den Worten: “Nein, ich kann nicht. Ich muss jetzt ruhen. Ich hole das irgendwann mit dir nach, dann, wenn’s der Mama besser geht. Aber das dauert noch eine lange Zeit.”

All das zu meistern, war eine riesige Herausforderung für mich, in einem Zustand, in dem du dich selbst nicht mehr als Mensch fühlst, sondern als Kreatur.

Sandra, hat dich die Krankheit persönlich verändert?

Ja, die Krankheit hat mich auf jeden Fall verändert! Ich habe einen anderen Charakter bekommen. Meine Priorität ist jetzt nicht mehr die Arbeit und der Haushalt usw., sondern das Glücklichsein: dass meine Familie und ich glücklich sind, dass es uns gutgeht. Das ist für mich das Wichtigste, denn ich habe nur dieses eine Leben. Die Krankheit hat uns noch mehr zusammengeschweißt.

Wir genießen noch mehr die Zeit zu dritt. Vorher war das eher so, dass Mairo immer mit Freunden spielen wollte, dahin und dorthin wollte. Mittlerweile genießt er auch mal die Zeit mit Mama und Papa alleine. Dass wir drei jetzt noch mehr füreinander da sind, ist auch etwas sehr Schönes.

Mein Charakter hat sich dahingehend verändert, dass ich viel mehr Blicke darauf habe, wie es anderen geht. Wenn ich jetzt am Straßenrand arme Menschen sehe, die um Geld betteln, bekommen sie auch welches von mir. Oder, wenn ich Menschen sehe, die im Mülleimer nach Essen suchen, gehe ich hin und drücke ihnen fünf Euro in die Hand, einfach so.

Ja, ich bin nicht mehr so darauf bedacht, das Geld zu sparen, sondern möchte lieber helfen. Ich möchte Leuten helfen, denen es schlecht geht, so, wie ich auch Hilfe, sehr viel Hilfe sogar, bekommen habe, als es mir nicht gut ging. Da möchte ich jetzt einfach auch helfen und unterstützen.

Hat die Krankheit auch dein Kind verändert?

Ja, auf jeden Fall hat die Krankheit auch Mairo verändert. Er war zwar vorher schon ein zuverlässiger, hilfsbereiter und herzlicher Mensch. Aber durch die Krankheit hat sich das intensiviert: Er ist noch fürsorglicher und aufmerksamer geworden, strahlt unheimliche Herzlichkeit gegenüber seinen Freunden und der Familie aus und genießt noch mehr den Familienzusammenhalt.

Mir fällt aber auch auf, dass er sich jetzt, wenn es um Krankheiten geht oder es jemandem schlecht geht oder so, eher schützt, indem er nicht so gerne zuhören möchte. Er versucht offensichtlich, sich psychisch nicht damit zu verletzen.

Ich gebe ihm immer wieder Anlässe zum Glücklichsein, kann inzwischen auch wieder viel mehr mit ihm spielen. Trotz all dem Erlebten ist er ein sehr glückliches, fröhliches Kind, ein Kind, das gerne tanzt und spielt und lacht. Besser kann ich es nicht ausdrücken.

Was hat dir während der Behandlung gutgetan, dir das Leben leichter gemacht?

Also, was mir das Leben während meiner Therapie leichter und angenehmer gemacht hat, war z.B., dass man in der Brustkrebs-Ambulanz in Limburg immer freundlich und nett empfangen wurde, dass man zusammen gelacht hat. Man bekam Wasser, Kaffee und Tee, immer etwas zum Essen. Alle waren sehr fürsorglich und einfühlsam.

Das alles hat mir sehr geholfen, so dass ich auch gerne acht Stunden da verbracht habe und die Zeit gefühlt viel schneller verging. Man konnte sich unterhalten, sich austauschen – ja, es war, auch wenn sich das jetzt in diesem Zusammenhang blöd anhören mag, so was wie eine Gemeinschaft. Es war einfach toll. Manche mögen vielleicht denken, ‘O Gott, diese langen Behandlungssitzungen, wie schlimm!’ – aber ich war, und bin ja auch immer noch wegen meiner Antikörpertherapie alle drei Wochen, gerne dort. Das Warmherzige, das Nette, Freundliche, das Einfühlsame. Es tat mir gut und gab mir Kraft.

Zuhause war es dann die Liebe, die ich von der Familie, von Verwandten, Freunden und Bekannten erfahren habe. Das hat mir auch sehr geholfen. Ich habe unheimlich gespürt, dass ich gemocht werde, dass sich die Menschen Gedanken um mich machten. Die vielen Umarmungen und Streicheleinheiten von meinem Mann und meinem Kind haben ebenfalls sehr dazu beigetragen, dass mir das Leben unter diesen Umständen leichter fiel.

Erinnerst du dich an besondere, schöne und positive Momente während der Krebsbehandlung?

Ja, ich erinnere mich da spontan an die Begegnung mit einem Storch bzw. mit mehreren. Der Storch wurde zu meinem persönlichen Symbol, das mich durch die gesamte Therapie trug. Hier muss ich kurz erzählen, wie es dazu kam: hochschwanger, im Sommer 2014, hatte ich das letzte Mal einen Storch gesehen. Für mich strahlen Störche so etwas Erhabenes, Großes und Schönes aus. Ich wusste, sie sind selten. Umso mehr freute ich mich und traute meinen Augen kaum, als ich, nur wenige Tage nach meiner Krebs-Diagnose, nach so vielen Jahren wieder einen Storch auf dem Feld stehen sah.

Zwei Tage später war ich auf dem Weg zu meinem Vater und nahm die Abkürzung durchs Gelände, um schneller bei ihm zu sein. Gerade überlegte ich mir, wie ich ihm die schlimme Botschaft am besten beibringe, ohne ihn zu beunruhigen, denn schließlich hatte er ja vor noch gar nicht langer Zeit meine Mama durch Krebs verloren … Ich war so in Gedanken, als da plötzlich wieder ein Storch im Feld stand! Unglaublich! Da hatte ich nun seit sieben Jahren keinen Storch mehr gesehen und dann innerhalb von zwei Tagen auf einmal schon zwei.

Das war für mich so schön, ja, mit das Schönste! Ich dachte so bei mir: den hat mir meine Mama geschickt – mein Schutzengel. Ehe ich mich versah, war er auch schon wieder weg.

Dann fuhr ich weiter zu meinem Vater. Ich merkte, dass ich irgendwie Kraft gesammelt hatte und erzählte im alles. Wie befürchtet, war die Nachricht ganz ganz schlimm für ihn. Ich musste ihn hinterher aufbauen und ihm sagen: “Hier Papa, pass mal auf, du musst jetzt ein Jahr für mich da sein, mir ein bisschen helfen, mich bei der Betreuung meines Jungen so gut es geht unterstützen. Und danach bin ich ja wieder jahrelang für dich da. Aber jetzt geht es erst einmal ein Jahr um mich.”

So konnte ich das dann auch gut stehen lassen …

Wieder zuhause, googelte ich gleich nach der Bedeutung des Storchs: Für was steht er? Was bedeutet es für mich, wenn ich ihn gerade jetzt so oft hier sehe? Bisher hatte ihn nur damit in Verbindung gebracht, dass er ‘die Kinder bringt’. Da stand dann aber, dass der Storch auch Kraft und Stärke bringt. Das war für mich ein Wink mit dem Zaunpfahl.

Als ich das las, war für mich klar: ‘Ja genau, ich habe genug Kraft, ich habe Stärke, und ich besiege den Krebs.’ Und genau das ist ja auch jetzt passiert. Eine gute Woche später, kaum zu glauben, konnte ich bei einem kleinen Erholungsspaziergang schon wieder Störche beobachten, dieses Mal sogar eine Dreiergruppe, unten an der Lahn, unweit meines Zuhauses. Da machte ich gleich mehrere Fotos mit meinem Handy und sagte bei mir: ‘Jetzt kann nichts mehr schiefgehen. Das kann nur ein gutes Zeichen sein.’

Ja, und so hat mich der Storch dann als Symbol in mehrfacher Weise durch meine ganze Therapie begleitet: Meine Schwägerin häkelte mir ein Kissen mit Storch-Motiv, meine Cousine schenkte mir einen Schlüsselanhänger mit Storch. Von meiner Freundin und ihrer Tochter erhielt ich ihn als Stofftier … Auf einmal waren so viele Störche um mich herum, die mich begleitet haben, auch in die Reha. Alles würde gut werden.

Mein Bruder hatte mir zudem etliche Gedichte geschrieben, u.a. ‘Der Adebar’ und ‘Die Reise”. Und diese Gedichte, extra für mich verfasst, habe ich mir immer und immer wieder durchgelesen. Sie gaben mir Kraft, genau wie all die vielen anderen Aufmerksamkeiten von lieben Menschen, Freunden, Bekannten und der Familie!

Welchen Einfluss hatte und hat das Teilen von WhatsApp Status-Nachrichten für dich?

Dadurch, dass ich kein Instagram und Facebook benutze, war das für mich die Möglichkeit, zu posten wie’s mir gerade geht oder was ich Schönes erlebt habe. In der Regel postete ich wenig darüber, was schlecht war, aber auch das kam ab und zu mal vor. Dann schrieb ich z.B.: ‘Heute war kein guter Tag.’

Zu sehen, dass über 100 Leser meinen Status angesehen und manche sich daraufhin auch gemeldet hatten, war für mich eine besondere Art der Verarbeitung. Ja, ich bin mit meiner Diagnose an die Öffentlichkeit gegangen, das hat mir gutgetan.

Ich musste darüber reden und habe dafür viel viel Anerkennung von Leuten zurückbekommen. Es war für mich eine Art Selbsttherapie, das muss ich schon sagen. Ich habe extrem viel WhatsApp genutzt – und nutze es noch heute.

Wie geht es dir heute, auch nach deiner Anschlussheilbehandlung?

Ich muss sagen, mir geht es heute gut – nicht sehr gut, aber gut. Ich bin glücklich und habe meinen Humor nicht verloren. Ich habe die Krebsbehandlung so gut es geht überstanden, nur die Antikörpertherapie noch nicht ganz. Aber im Sommer bin ich auch damit fertig und dann geht die Antihormontherapie noch fünf bis zehn Jahre in Tablettenform weiter.

Die gerade abgeschlossene Reha hat mir auch viel gebracht. Ja, meiner Meinung nach habe ich den Krebs besiegt. Und deswegen geht es mir gut. Und jetzt, da ich wieder bei meiner Familie sein kann, geht es mir noch viel besser.

Was das Körperliche betrifft, so muss ich allerdings sagen: Der Körper wird nie mehr so sein wie er war. Das ist klar. Aber ich akzeptiere alles, wie es gekommen ist und mache das Beste daraus – und bei all dem verliere ich nicht meinen Humor.

Was hat dir bei deinem Weg durch die Krankheit zurück ins Leben geholfen?

Ehrlich gesagt: So richtig zurück im Leben bin ich noch gar nicht angekommen. Ich bin ja auch noch in der Therapie – die ist ja noch nicht ganz abgeschlossen. Ich habe zwar das Schlimmste überstanden, aber wie gesagt, zurück im Leben oder genauer gesagt, in ‘meinem’ Leben, so wie es vorher war, so ganz allgemein, bin ich noch nicht.

Ich bin zumindest so weit, dass ich sagen kann, ich habe nicht mehr diese ganz schlimmen Nebenwirkungen, selbst wenn manche noch da sind und sicher auch noch ein paar Jahre bleiben werden, wie du selbst weißt. Nein, so richtig zurück ins Leben habe ich noch nicht gefunden und ich weiß auch gar nicht, wann ich das sagen kann, dass ich dort wieder angekommen bin. Trotzdem bin ich ein glücklicher und humorvoller Mensch.

Welche Tipps gibst du anderen Betroffenen, denen es vielleicht schwerfällt, positiv zu denken?

Mein Tipp ist es, das Leben im Hier und Jetzt zu nehmen, so wie es ist – und immer mit der Hilfe von Psychologen – ohne das geht es meiner Meinung nach nicht. Und vor allen Dingen ist es wichtig, den Humor nicht zu verlieren und das, was schön ist, intensiver zu erleben. Es gibt immer schöne Dinge im Leben und man kann auch immer für Humor sorgen. Es ist für mich etwas ganz Wichtiges, auch über sich selbst lachen zu können.

Zudem rate ich, all die Hilfen und Aufmerksamkeiten positiv anzunehmen und viel, viel zu lachen. Lachen macht gesund. Das hört sich jetzt vielleicht blöd an, aber es hilft immens, wenn man das Lachen einfach nicht verliert. Das sind so meine ganz persönlichen Tipps. Darüber hinaus finde ich es sehr, sehr wichtig, offen zu sein, darüber zu reden, sich nicht zu genieren, auch aktiv Hilfe einzufordern und Google fragen, wo man sich hinwenden kann.

Es gibt so viele Anlaufstellen, wo Krebskranken geholfen wird. Einfach alles mitzunehmen, was man mitnehmen kann – das sind die Dinge, die ich empfehlen kann.

Und welche Ratschläge gibst du insbesondere an brustkrebskranke Mamas weiter?

Mein wichtigster Ratschlag an brustkrebskranke Mütter ist der, auf jeden Fall dem Kind offen zu sagen, dass man Krebs hat, die Krankheit beim Namen zu nennen. Denn, wenn es in der Schule oder sonstwo von anderen Kindern erfährt, dass die Mama Krebs hat, bevor es selbst aufgeklärt ist, dann wird’s schwierig.

Auf jeden Fall rate ich Hilfe zu holen, über Bilderbücher für Kinder wie z.B. “Warum trägt Mama im Sommer eine Mütze” – ein ganz tolles Buch, das ich sehr empfehlen kann. Aber auch psychologische, psychoonkologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist wichtig. Es gibt so viele Krebsnothilfe-Organisationen, wie z.B. auch die Dehrner Krebsnothilfe.

Dort einfach nachfragen. Man kriegt ganz viele Dinge erklärt. Man kann pädagogische Unterstützung und psychosoziale Hilfe für das Kind bekommen, für sich selbst therapeutische Gespräche und Begleitung in Anspruch nehmen.

Neben den ausgebildeten Fachkräften gibt es Ehrenamtliche, die sich für die Krebsbetroffenen und deren Familien Zeit nehmen. Man kann Haushaltshilfen beantragen, und andere Hilfen, die einem zustehen. Und diese dann auch wirklich zu nutzen – das ist das A und O. Je mehr Entlastung man hat, um so mehr kann man lächeln, trotz der schweren Therapie.

Das sind meine Tipps und Ratschläge. Und dabei immer stark und mutig sein und den Humor nicht verlieren!


Sandra, ich bedanke mich ganz herzlich für die Zeit, die du dir für dieses Interview genommen hast.




Ressourcenaktivierung

Ein Baustein in der Therapie von Krebserkrankungen und in der Krise

Foto: No longer here / pixabay.com

Die plötzliche Diagnose einer Krebserkrankung bringt unweigerlich eine existentielle Bedrohung und Angst mit sich. Im Angstmodus ist unser Gehirn blockiert und wir können nicht, oder nur eingeschränkt, auf unsere individuellen Erfahrungsschätze und die damit verbundenen Problemlösungskompetenz zurückgreifen. Hilfreich ist daher in der Therapie von Beginn an die Ressourcenaktivierung sowie die Fähigkeit zur Stressregulation zu verbessern.
Menschen besitzen unterschiedliche Ressourcen um mit den Höhen und Tiefen des Lebens umzugehen. Ressourcen sind Kraftquellen, die zur Entspannung führen und zur Erholung beitragen. Ressourcen sind aber auch Stärken, Fähigkeiten, Interessen oder Mitmenschen, die einem helfen, Probleme zu lösen und Krisen zu überstehen. Alles, was einem Menschen hilft sich wohlzufühlen und seine Bedürfnisse zu erfüllen, sind solche Kraftquellen. Manche sind uns leicht zugänglich und andere vielleicht in Vergessenheit geraten oder auch verschüttet. Das Erkennen und Nutzen eigener Ressourcen ist ein wichtiger Baustein zur Bewältigung einer Krebserkrankung und um mit den damit verbundenen Herausforderungen umzugehen.
Wir können unterscheiden zwischen:

Äußeren Ressourcen:

  • Materielle Dinge, wie Wohnung, Geld oder ein Auto
  • Arbeit
  • Natur, Tiere
  • Musik, Kunst, Kulturveranstaltungen

Sozialen Ressourcen:

  • Familie, Freunde, Partner oder wichtige Menschen in der sozialen Umgebung
  • Gruppen und Vereine

Persönlichen Ressourcen:

  • persönliche Eigenschaften, Stärken und Fähigkeiten
  • Wissen, Begabungen und Kompetenzen
  • Interessen; Hobbys und Sport
  • Überzeugungen und Werte
  • Glauben und Spiritualität
  • positive Erinnerungen
  • Hoffnung für die Zukunft

Um die Angstspirale und das Kreisen um die Erkrankung zu verlassen, ist es hilfreich sich mit den eigenen Ressourcen zu beschäftigen. Ich lade Sie ein sich einmal mit den folgenden Fragen zu beschäftigen:

  • Welche schönen Momente aus Ihrem Leben fallen Ihnen ein?
  • Wem fühlen Sie sich besonders verbunden? Welche Menschen sind Ihnen wichtig?
  • Was können Sie besonders gut? Was sind Ihre ganz persönlichen Stärken?
  • Wie haben sie es geschafft, Krisen oder schwierige Zeiten in ihrem Leben zu überwinden.
  • Wie können Sie diese Kompetenzen in der jetzigen Situation für sich nutzen?
  • Was hat Ihnen Freude gemacht? Welche Menschen waren daran beteiligt?

Wenn Sie mögen schreiben Sie alle Gedanken, die Ihnen zu den Fragen gekommen sind, auf und legen Sie sich eine persönliche Ressourcenliste an. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit immer wieder darauf. So haben Sie zu Zugang zu Ihren Kraftquellen. Die bekannte Trauma-Therapeutin Michaela Huber hat ein kleines Kartenset herausgebracht mit dem Titel „Ressourcium“. Hier sind hilfreiche Fragen auf je einem Kärtchen die zu positiven Erinnerungen anregen sollen.
In der Therapie gibt es eine Fülle von Möglichkeiten sich auch kreativ mit den eigenen Ressourcen zu beschäftigen. Auch können wir kreative Medien wie Imagination, Malen, Musik und Bewegung nutzen, um uns mit den Ressourcen beschäftigen, damit das Nervensystem sich beruhigt und der Stresslevel gesenkt werden kann.

Hier eine Geschichte zum Nachdenken, die ich gerne den Patienten in der Klinik, in der ich viele Jahre gearbeitet habe vorgelesen habe:

Der Indianer und die Wölfe
Ein alter Indianer erzählte seinem Enkel von einer großen Tragödie und wie sie ihn nach vielen Jahren immer noch beschäftigte.
„Was fühlst du, wenn du heute darüber sprichst?“ fragte der Enkel.
Der Alte antwortete. “Es ist als ob zwei Wölfe in meinem Herzen kämpfen. Der eine Wolf ist rachsüchtig und gewalttätig. Der andere ist großmütig und liebevoll.“
Der Enkel fragte: „Welcher Wolf wird den Kampf in deinem Herzen?“
„Der Wolf den ich füttere!“ sagte der Alte.
(Verfasser unbekannt)

Gerne unterstütze und begleite ich Sie in Ihrem individuellen Prozess der Krankheitsbewältigung und auch in der Trauerbewältigung, sowie bei Ihren Sorgen und Nöten.




Das geheime Leben der Seele

Buchcover: Das geheime Leben der Seele

Alles über unser unsichtbares Organ

Autorin: Sabine Wery von Limont; Preis: 10,00 €

Das Seele-Buch der bekannten Verhaltenstherapeutin Sabine Wery von Limont zeigt auf, welche Wege die Seele nutzt, um mit uns zu kommunizieren und warum es sich lohnt, mit ihr Kontakt zu halten. Das Buch zur Gesundheit informiert auf unterhaltsame Weise über psychische Grundbedürfnisse des Menschen und hilft dabei, sich selbst und andere besser zu verstehen.

Es ist ein Buch zur Selbstreflektion, das den Selbstwert steigern kann. Innerhalb einer professionellen Psychotherapie unterstützt es den Prozess der Erkenntnisgewinnung und -verarbeitung maßgeblich.


Die Hamburger Psychotherapeutin empfiehlt, das Leiden in seine Schranken zu verweisen. Ob Ratgeber oder Wissensbuch: Dass nichts so bleiben muss, wie es ist, wird in diesem Buch mit viel Einfühlungsvermögen und großer Leichtigkeit dargestellt.




Die Simonton-Methode

Buchcover: Die Simonton-Methode
Buchcover: Die Simonton-Methode

Selbstheilungskräfte stärken, den Krebs überwinden

Autorin: Cornelia Kaspar; Preis: 11,00 €

Wieder gesund werden
Nach der Diagnose Krebs fallen viele Menschen in eine passive, manchmal gar resignative Grundhaltung. Dabei ist es wichtig, selbst aktiv etwas zu tun, denn wissenschaftlich gilt es als erwiesen, dass die Psyche eine nennenswerte Rolle bei der Heilung und Bewältigung der Erkrankung spielen kann.

Die weltweit anerkannte Simonton-Methode bietet einen leicht zu erlernenden Weg, seine Selbstheilungskräfte zu mobilisieren. Cornelia Kaspar zeigt, wie Sie auf Ihren Genesungsprozes Einfluss nehmen und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen können und wie Angehörige und Freunde Unterstützung geben können.

Die ebenso bewegenden wie erstaunlichen Erfahrungsberichte und der praktische Gesundheitsplan ermutigen alle Menschen, die an einer schweren Krankheit leiden, optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Die Autorin ist Leiterin der Simonton-Cancer-Center Deutschland und Italien.