Wir sind "einfach da, wenn man uns braucht!"

„Nein” sagen

in der systemischen Familientherapie –
und was hat Krebs damit zu tun?

Foto: Berwis / pixelio.de
Foto: Berwis / pixelio.de

In der psychotherapeutischen und psychoonkologischen Zusammenarbeitmit Einzelpersonen und Familien ist die Auseinandersetzungmit„Abgrenzung“ ein wichtiges und wiederkehrendes Thema.

Abgrenzung ist eine notwendige Grundfähigkeit aller Lebewesen. Für den Einzeller oder ein komplizierteres Säugetier (wie z.B. den Mensch) bedeutet dies die Fähigkeit, sich von seiner Umwelt zu unterscheiden, mit der Umwelt zu interagieren, Nahrung zu holen und sich vor schädlichen, gefährlichen Einflüssen aus der Umwelt zu schützen.

Dies mag selbstverständlich erscheinen, aber für das hochkomplexeWesen„Mensch“ findet Abgrenzung überwiegend auf sprachlicher Ebene statt. Gemeint ist hier, wie wir miteinander darüber kommunizieren, was wir wollen und brauchen, und was nicht. Die Tragweite der Auswirkung, wie gut dies gelingt, ist uns oft nicht bewusst.

Am einfachsten können wir uns diesem Bereich annähern, wenn wir uns fragen:Wie sieht es aus mit dem„Nein“-Sagen?

„Nein” sagen

„Nein“ sagen hat leider einen schlechten Ruf. Ich will doch den anderen nicht verletzen, indem ich ihm etwas abschlage. Das passt nicht in mein Selbstbild eines liebevollen, hilfsbereiten Mitmenschen.„Für den anderen da sein“ ist auch ein ethischmoralisches Ziel, das zu verfolgen mir quasi mit in dieWiege gelegt wird. Etwas Gutes zu tun für andere, fühlt sich immer wieder gut an, ich freue mich, dass der andere sich freut und auch, wenn ich ein Dankeschön für meine gute Tat erhalte.

Wie gehe ich dann aber damit um, wenn ich „eigentlich“ nicht möchte? Vielleicht sitzt Hilfsbereitschaft (oder dass ich glaube, dass andere diese von mir erwarten) so tief in mir, dass das „eigentlich nicht wollen“ gar nicht mehr in mein Bewusstsein gelangen darf. Vielleicht macht es sich gerade noch bemerkbar durch ein Ziehen im Bauch, ein Kribbeln, Kopfschmerzen oder den Drang, raus gehen zu wollen. Was ich gerne beiseite schiebe und damit übergehe.

Wenn ich etwas nicht möchte oder es mir zu viel wird, mich aber dennoch immer wieder darauf einlasse, tut mir das langfristig nicht gut. Damit achte ich meine eigenen Grenzen nicht. Und gleichzeitig lade ich (unbewusst) auch andere ein, sie nicht zu achten.

„NEIN“ sagen in der Familie

„Nein“ sagen bedeutet, dass ich mein eigenes Wohlergehen im Blick habe(n darf ). Auch in Kontakt mit meiner Familie.
Und wenn klar ist, dass ich„nein“ sagen kann, wenn ich etwas nicht will, hebt sich mein„ja“ umso deutlicher und unmissverständlicher ab für mein Gegenüber als etwas, das ich wirklich will! (Dann meine ich auch „ja“!) Ein „Nein“ dem anderen mitzuteilen und sich dann damit auseinander zu setzen, ist „gesund“.

Im Rahmen von„Fairem Streiten“ können frühzeitig alle Gefühle/Bedürfnisse offen gelegt werden. Dies kann deren„Anstau“ und dann daraus resultierend eventuelle spätere unkontrollierbare Ausbrüche vermeiden, was wiederum dabei hilft zu verhindern, dem anderen unnötige Verletzungen zuzufügen.

Ein Beispiel wäre, wenn meine Familie heute Abend ins Kino will, aber ich nach einer sehr vollen Arbeitswoche meine Ruhe brauche. Hier ist die Gefahr groß, dass Missstimmung entsteht und ich evtl. schlecht gelaunt mitkomme. Stattdessen könnte ich meinen Zwiespalt benennen und mit den anderen Kompromisse aushandeln, die die Bedürfnisse von allen berücksichtigen: „Wie wäre es, wenn wir heute Pizza bestellen und hier ein Video angucken, und morgen Abend oder Sonntag ins Kino gehen?“

„NEIN“ sagen und Gesundheit

Krebs kann auch unter dem Blickwinkel betrachtet werden, dass schädliche Zellen sich vermehren und in gesundes Gewebe eindringen dürfen, und sich das Gesunde nicht entsprechend „wehrt“ (und „nein“ sagt). Auch das ist eine Art „Grenzüberschreitung“.

Wir wollen hier keinesfalls sagen, dass im nicht „Neinsagen“ notwendigerweise die Ursache für Krebserkrankungen liegt. Jedoch wollen wir zu einem Perspektivwechsel einladen, und können in der systemischen Sichtweise auch einen Blick auf unser biologisches System werfen – unseren Körper – und in der Gesamtbetrachtungsweise ergeben sich mitunter Fragen, die zum Nachdenken einladen.

Sicher können wir folgendes Fazit ziehen: Wenn wir„gut“ Streiten können in der Familie, („Faires Streiten“), stärkt das die Familienbindung, und wenn wir uns in der Familie gut und sicher fühlen, stärkt dies wiederum unser Immunsystem, und dies fördert allgemein die Gesundheit von jedem Einzelnen im System.

Als Schlussfolgerung:

Wenn ich „nein“ sagen kann,
sage ich „ja“ – zu mir selbst – und zu meiner Familie!




(Richtig) Streiten macht gesund

Was Aikido damit zu tun hat

Foto: Helmut J. Salzer / pixelio.de
Foto: Helmut J. Salzer / pixelio.de

Aikido ist eine moderne Weiterentwicklung traditioneller japanischer Kampfkunst. Manchmal werde ich gefragt, warum ich als Therapeut und Familienberater eine solche Sportart betreibe. Davon abgesehen, dass es mir Spaß macht und für den Körper belebend wirkt, ist es so, dass Aikido eher als „Friedenskunst“ zu verstehen ist.

Tatsächlich habe ich Aikido erstmals 1982 als Teil eines Seminars zum Thema „Kommunikation und Streitkulturen in Familien“ kennengelernt. Ich fand es damals (und heute immer noch) faszinierend, wie ohne Worte dargestellt wurde, wie eine positive „win-win“ Konfliktlösung aussehen kann. Die Teilnehmer wurden damals ermutigt, einige einfache Übungen auszuprobieren; Dabei konnte ich spürbar im Körper erleben, wie es möglich ist, durch eine innere und äußere Haltungsänderung ein Gegeneinander in ein Miteinander umzuwandeln.

In der systemischen Praxis Dietkirchen gehört die körperliche Darstellung von Konflikten und deren mögliche Lösungsansätze zum Repertoire in der Paar- und Familienberatung.

Was hat „richtig Streiten“ aber mit Gesundheit zu tun?
Ungelöste Konflikte in Familien belasten Körper und Seele. Diese beiden Aspekte des Gesamtorganismus stehen in direkter Wechselwirkung miteinander. Positive Konfliktlösungsstrategien können einen wichtigen Beitrag leisten, um gesund zu bleiben oder insbesondere wieder gesund zu werden. Lebensenergie, die bislang durch psychische Belastungen gebunden wurde, wird dann frei gesetzt und steht den Selbstheilungskräften des Körpers wieder zur Verfügung.

Und was heißt nun „richtig Streiten“?
Der wichtigste Aspekt hierzu ist, dass die Beteiligten wissen, dass sie FÜR etwas streiten (nicht gegen), z.B. FÜR die Beziehung, FÜR die Familie. (Wir streiten NICHT, um Macht auszuüben, zu gewinnen, den anderen zu verletzen oder Recht zu haben.) Positiver Streit ist dafür da, um Standpunkte, Sichtweisen, Beweggründe, aber auch Gefühle und Bedürfnisse zum Ausdruck zu bringen und Lösungen von Differenzen auszuarbeiten. Wir wollen verloren gegangene Harmonie wieder herstellen. Dies schafft gegenseitiges Vertrauen, die Individualität der einzelnen Familienmitglieder wird geachtet und gefördert und es sorgt für Spannungsabbau im System und in den Individuen.

Weitere Hauptmerkmale vom „richtigen Streiten“ sind:
• Respektvoller Umgang auf Augenhöhe
• Dem anderen gut zuhören und sich in den anderen hinein versetzen
• Jeder redet über sich und seine eigenen Bedürfnisse, anstatt mit dem Finger auf den anderen zu zeigen.

Zu diesen sowie vielen weiteren Punkten sind schon ganze Bücher geschrieben worden, und vollständige Erklärungen würden natürlich den Rahmen dieses Artikels sprengen. Vielleicht halten wir dazu dieses Jahr einen Vortrag, oder Sie besuchen uns bei Bedarf in der Systemischen Praxis Dietkirchen?

Fazit: „Richtig Streiten“ lernen lohnt sich!
(Und unsere Aikido Schule in Diez freut sich über Interessierte!)




Niemand ist alleine krank

Foto: Albrecht E. Arnold / pixelio.de
Foto: Albrecht E. Arnold / pixelio.de

Wissenschaftliche Studien belegen, dass gute soziale Kontakte und Unterstützung durch die Familie den Gesundungsprozess fördern und die Überlebenschancen von schwer erkrankten Menschen erhöhen.

Eine Krise kann eine Familie zusammen schweißen und unerwartete Ressourcen zutage bringen, die sie stärkt und sich näher kommen lässt. Leider ist das aber nicht immer der Fall. Manchmal treiben dramatische Ereignisse auch die Familienmitglieder auseinander, worunter oft alle leiden.

An diesem Punkt setzt systemische Familientherapie ein. Sie hilft diese Dynamik zu verstehen, zu analysieren und ihr entgegenzuwirken.

Im Fall von schweren Erkrankungen belegen wissenschaftliche Studien, dass gute soziale Kontakte und Unterstützung durch die Familie den Gesundungsprozess fördern und die Überlebenschancen erhöhen.
Eine Krise, wie z.B. eine Krebserkrankung, kann eine Familie zusammenschweißen und unerwartete Ressourcen zutage bringen, die sie stärkt und sich näher kommen lässt.
Leider ist das aber nicht immer der Fall. Manchmal treiben dramatische Ereignisse auch die Familienmitglieder auseinander, worunter oft alle leiden.

Systemische Familientherapie ermöglicht, diese Dynamik zu verstehen, zu analysieren und ihr entgegen zu wirken, so dass die betroffene Familie positive Handlungsfähigkeit (zurück) erlangen kann.